An welchen Arbeitsplätzen ist Kontakt mit Nanomaterialien möglich?

Die bei Verbrennungs- bzw. Schweißvorgängen freigesetzten Nanopartikel werden hier nicht berücksichtigt, da es mit diesen Nanopartikeln bereits jahrelange Erfahrungen hinsichtlich Gesundheits- und Umweltrisiken gibt. In Analogie zu den Erfahrungen mit den freigesetzten Nanopartikeln können für synthetisch hergestellte Nanomaterialien entsprechende Schutzmaßnahmen abgeleitet werden.

Zu der Anzahl der Beschäftigten, die an ihren Arbeitsplätzen mit synthetisch hergestellten Nanomaterialien umgehen, liegen bisher nur einige und wenig zuverlässige Angaben vor. Eine Übersichtsstudie der EU-Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz gibt an, dass die höchsten Risiken für Belastungen mit synthetisch hergestellten Nanopartikeln an den Arbeitsplätzen der Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie, in der Energiewirtschaft, der Textilien- , der Bau- und der Chemischen Industrie sowie im Bereich der Elektronik und Kommunikation, aber auch des Gesundheitssektors auftreten können. Vom 'ETUI', dem Institut der europäischen Gewerkschaften, wurde eine umfassende Übersicht der vorliegenden Daten aus mehreren Ländern publiziert.

Es gibt noch keinen Sektor für Nanotechnologie und daher keine klaren statistischen Kennzahlen. Auf der Grundlage von (teilweise unvollständigen) Abschätzungen und Befragungen in der Schweiz, Frankreich und in den Niederlanden, sind dies derzeit einige Tausend Beschäftigte auf 'Nano-Arbeitsplätzen' – und dies ist ein Anteil von weniger als einem Prozent aller Arbeitskräfte.  Eine im Jahr 2013 vorgelegte Publikation des deutschen Forschungsministeriums   berichtet von mehr als 10.000 Mitarbeitern im Bereich der Nanotechnologie in Deutschland. Für die Zukunft wird von Beobachtern eine Zunahme des Anteils von Nano-Arbeitsplätzen erwartet.

Eine verbesserte Sammlung von Arbeitsplatzdaten ist auch seit Jahren von der Vereinigung der europäischen Gewerkschaften, der 'European Trade Union Confederation (ETUC)' gefordert worden. Im Dezember 2010 hat der Exekutivausschuss eine Resolution zum Umgang mit Nanotechnologien und Nanomaterialien beschlossen, die sich klar dafür ausspricht, aus Vorsorge für die Millionen von Beschäftigten, die in den kommenden Jahren vom Umgang mit Nanosubstanzen betroffen sein könnten, konkrete Maßnahmen an den Arbeitsplätzen zu entwickeln - es müsse bekannt sein, wer  und in welchem Ausmaß belastet wird, um welche Arten von Nanomaterialien es dabei geht, und welche Schutzmaßnahmen installiert wurden. Die ETUC fordert daher die Mitgliedsstaaten auf, ein Register der belasteten Beschäftigten einzurichten:

( 1 )     welche Personen exponiert waren;
( 2 )     welche Umstände, Dauer und welches Ausmaß der Belastung dabei bestand;
( 3 )     welche persönlichen Schutzvorkehrungen getroffen wurden;
( 4 )     wie hoch die Konzentration der Nanopartikel war.

Eine im Frühjahr 2012 veröffentlichte Publikation des französischen Institutes für die Sicherheit an den Arbeitsplätzen zum Umgang mit Nanomaterialien in den Laboratorien gibt, auf der Basis von Schätzungen an, dass "im Zeithorizont bis 2015 als Folge des Aufschwungs der Verwendung von Nanomaterialien etwa 10 % aller Arbeitsplätze im Herstellungssektor betroffen sein könnten"?


Bei der Herstellung von Nanomaterialien ist dem Betrieb bekannt, womit gearbeitet wird. Daher können Beschäftigte im (Forschungs-)Labor, in der Produktion oder während Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten diese Nanomaterialien nur dann einatmen, wenn die Schutzmaßnahmen ungenügend sind oder diese Information in Form einer Unterweisung nicht weitergegeben wurde.
In der Weiterverarbeitung, z.B. bei der Zugabe von Nanomaterialien zu Produkten wie Kunststoffen oder Lacken, nimmt die Information, dass mit Nanomaterialien gearbeitet wird, ab. Das liegt vor allem an der derzeit noch fehlenden Kennzeichnung von Nanomaterialien oder Nanoprodukten. Besonders schwierig wird die Beurteilung dann, wenn nanohaltige Produkte weiterverarbeitet werden, ohne dass auf der Verpackung oder im Sicherheitsdatenblatt Hinweise auf Nanomaterialien zu finden sind.
Ob Beschäftigte tatsächlich gefährdet sind, hängt davon ab, wie stark die Nanomaterialien im Produkt gebunden sind und ob beim Arbeitsverfahren Staub oder Nebel entstehen können.
Besonders wenige Informationen haben Arbeitgeber und Beschäftigte in der Entsorgung. Gerade für diese Arbeitsplätze ist die Information, ob Nanomaterialien in den Abfällen enthalten sind, besonders wichtig, um die richtigen Schutzmaßnahmen treffen zu können.
Forschung zum sicheren Umgang mit Nanopartikeln am Arbeitsplatz
Viele neue Nanomaterialien werden entwickelt, in größeren Mengen produziert und angewendet. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit einer Exposition am Arbeitsplatz gegenüber Nanopartikeln immer größer und Risikoforschung immer wichtiger. Europaweit laufen derzeit große Forschungsprojekte zu einigen wichtigen Fragen wie Expositionshöhe, inhalative und dermale Aufnahme, Wirkungsmechanismen und gesundheitliche Auswirkungen und Sicherheit von eingesetzten Schutzmaßnahmen. In Österreich gibt es auch einige Institutionen, die sich mit arbeitsplatzbezogener Forschung beschäftigen. Näheres ist hier(Link zur Forschung)zu lesen.