Was ist ein "Nano-Produkt"?

Auswahl von Nano-Produkten

Mittels Nanotechnologie können neue Produkte entwickelt oder die Eigenschaften bestehender Produkte verbessert werden. Oberflächen werden etwa kratzfester, schmutz- und wasserabweisend oder antibakteriell, Materialien leichter und widerstandsfähiger. Aber was genau unter "Nanotechnologie" zu verstehen ist, ist nicht verbindlich festgelegt. "Nano" ist kein geschützter Begriff.

Seit November 2011 liegt eine Empfehlung der Europäischen Kommission für eine Definition von Nanomaterialien vor, die allerdings noch Gegenstand von Diskussionen ist.
Auch auf dem österreichischen Markt sind bereits viele Produkte zu finden, die mit dem Schlagwort "nano" beworben werden oder mitunter etwas mit Nanotechnologie zu tun haben: Hautcremes, Zahnpasta, Sonnenschutzmittel, Regenjacken, Reinigungsmittel, Fliesenkleber, Kühlschrank - alles "nano"?

Was ist drinnen in einem "Nano-Produkt"?

Ein "Nano-Produkt" kann die verschiedensten Nanomaterialien bzw. Nanopartikel in den unterschiedlichsten Formen enthalten, die entweder fest in ein Trägermaterial (z.B. Kunststoff) eingearbeitet sind oder frei vorliegen. Das Nanomaterial selbst kann löslich oder unlöslich sein, biologisch abbaubar oder nicht-abbaubar sein. Bei manchen Produkten bezieht sich "nano" lediglich auf eine sehr dünne Beschichtung mit einer chemischen Substanz.

Von der Natur abgeschaut

Es ist auch möglich, dass das Material des Produkts keine Nanomaterialien im eigentlichen Sinne enthält, sondern Strukturen wie kleine Härchen oder Erhebungen in Nanogröße aufweist. In der Natur kommen auf diese Weise z.B. die schillernden Farben von Schmetterlings- oder Käferflügeln zustande oder die schmutzabweisende Oberfläche von Pflanzenblättern. Mittels Nanotechnologie wird versucht, diese Strukturen nachzuahmen (Nanobionik).

"Nano" = Klein und niedlich

Manche Produkte tragen die Vorsilbe "nano" auch nur deshalb im Namen, weil die Produkte selbst sehr klein sind, zum Beispiel Mini-Aquarien (Nano-Aquarien), sehr kleine Satelliten (Nanosatelliten) oder eine indische Automarke (Tata Nano).

"Nano" in der Werbung

Überdies wird "nano" oft nur zu Werbezwecken eingesetzt, ohne dass das betreffende Produkt etwas mit Nanotechnologie zu tun hätte. Die vielfältige Verwendung der Bezeichnung "Nano" macht die Situation unübersichtlich: ein Umstand, der sowohl für VerbraucherInnen als auch für Hersteller seriöser "Nano-Produkte" wenig erfreulich ist. Es ist zum gegebenen Zeitpunkt nicht bekannt, welche Produkte auf dem Markt sind, die ohne entsprechende Kennzeichnung des Herstellers Nanomaterialien enthalten.

VerbraucherInnen können zumeist nicht feststellen, ob ein Produkt nun tatsächlich Nanomaterialien enthält, um welche es sich dabei handelt, ob das Produkt überhaupt etwas mit Nanotechnologie zu tun hat und was denn nun genau die spezielle "Nano"-Eigenschaft eines Produktes wäre. Besonders Umwelt- und Verbraucherorganisationen fordern deshalb mehr Information und eine Kennzeichnung von "Nano-Produkten".