Nanosilber

Nanosilber

Silber wird seit tausenden von Jahren etwa zur Herstellung von Schmuck oder Münzen verwendet. Seit der Antike kennt man auch die antibakterielle Wirkung von Silber, sodass dieses Edelmetall bis zur Entdeckung des Penicillins zur Behandlung von Infektionen Verwendung fand. Da immer mehr Krankheitserreger gegen Antibiotika resistent werden, greift man in den letzten Jahren in der Medizin wieder verstärkt auf das noch immer gut wirksame Silber zurück, etwa in Form von Wundauflagen oder in Beschichtungen von Kathetern und Implantaten.

Vor allem in seiner Nanoform erlebt Silber derzeit wieder einen Aufschwung. Nicht nur in der Medizin, sondern auch in Konsumprodukten. Neben Nanosilber werden auch Silberverbindungen zunehmend aufgrund ihrer Wirkung gegen Keime in Kosmetika, Verpackungen, Küchenartikeln, Haushaltsgeräten oder Textilien verwendet.

Was ist Nanosilber?

Unter Nanosilber versteht man kleinste Teilchen von metallischem Silber (1 bis 100 nm), die industriell hergestellt werden und die in die verschiedensten Materialien (z.B. Kunststoff, Textilien, Hautcrèmes) eingearbeitet werden können. Sind diese Nanosilber-Partikel in Wasser verteilt, spricht man auch von "kolloidalem Silber" oder "Silberwasser", das im Handel (v.a. in Esoterikgeschäften oder in Online-Shops im Internet) zur Behandlung der verschiedensten Krankheiten angeboten wird.

Wie wirkt (Nano)Silber?

Kommt Silber in Kontakt mit Wasser, dann lösen sich daraus durch einen chemischen Prozess Silberionen (Ag+). Diese wirken gegen Bakterien, Pilze oder Viren. Nanosilber hat gegenüber Silberverbindungen den Vorteil, dass es über einen längeren Zeitraum wirkt. An der Oberfläche der kleinsten Teilchen entstehen bei Kontakt mit Wasser ständig neue aktive Silberionen. Diese Langzeitwirkung hat insbesondere Vorteile in der Medizin, z.B. bei Wundverbänden, die deshalb nicht so oft gewechselt werden müssen.

Ist Nanosilber gefährlich?

Grundsätzlich ist Nanosilber für den Menschen und andere Säugetiere nicht gefährlich, außer man nimmt es in sehr großen Mengen zu sich. Dann kann es zu einer permanenten Blaufärbung der Haut kommen (Argyria) bzw. sind auch Schäden an der Leber oder dem Zentralnervensystem möglich. Deshalb sollte "kolloidales Silber" vorsorglich nicht eingenommen werden, vor allem da auch der gesundheitliche Nutzen nicht belegt ist. Von Gebrauchsgegenständen, Textilien oder Kosmetika mit Nanosilber geht nach derzeitigem Wissensstand für den Menschen keine Gefährdung aus. Allerdings fehlen Langzeitstudien. Bakterien können auch gegen Silber resistent werden, vor allem wenn dieses in einer großen Zahl von Produkten in niedriger Konzentration eingesetzt wird. Entstehen aber in Haushalten silberresistente Keime, dann besteht die Gefahr, dass Silber auch in der Medizin wirkungslos wird.

Schadet Nanosilber der Umwelt?

Silberionen sind sehr giftig für Kleinstlebewesen in Gewässern oder für die nützlichen Bakterien im Boden oder in den Kläranlagen. Gerät Nanosilber also etwa mit dem Abwasser (z.B. beim Waschen von Textilien) in die Umwelt, dann können Umweltschäden nicht ausgeschlossen werden.
Für eine umfassende Abschätzung des Umwelt- und Gesundheitsrisikos von Nanosilber oder andere Silberformen ist die Datenlage aus wissenschaftlichen Untersuchungen derzeit noch zu gering. Deshalb sollte auf Silber in Konsumprodukten verzichtet werden. Vor allem, da auch der Nutzen für die VerbraucherInnen zweifelhaft erscheint.

"ÖkoKauf Wien" - Programm zur Ökologisierung des Wiener Beschaffungswesens

In der Stadt Wien werden bereits am Markt erhältliche Nanoprodukte, welche möglicherweise auch von der Stadt Wien beschafft werden (könnten), auf ökologische Vorteile und eventuelle Risiken hin bewertet und Empfehlungen für BeschafferInnen erarbeitet. Hier findet auch "Nanosilber" eine Erwähnung.

Übersicht zu Nanosilber

im NanoTrust Dossier Nr. 10 (April 2009)

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Nanosilber in Kosmetika, Hygieneartikeln und Lebensmittelkontaktmaterialien

Die Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) vom Februar 2010 bietet einen umfassenden Überblick über die Grundlagen, Anwendung und möglichen Risiken von Nanosilber:

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Stellungnahme des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)

Im Dezember 2009 rät das BfR von einer Verwendung von Nanosilber in Lebensmitteln, Textilien und Kosmetika ab:

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Nano-Silber - der Glanz täuscht

Die deutsche Umweltschutzorganisation BUND setzt sich in seiner Publikation kritisch mit dem Thema auseinander:

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ÖkoKauf Wien

Weitere Informationen zum Programm zur Ökologisierung des Wiener Beschaffungswesens

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