Risikoabschätzung für Kosmetika mit Nanomaterialien

Synthetische Nanomaterialien finden sich auch in einer Reihe von Kosmetikprodukten, wie etwa Hautcremes, Zahnpasten oder Sonnenschutzmitteln (siehe oben). Sowohl für Regulierungsbehörden als auch für Hersteller ist es wichtig, das Gesundheitsrisiko eines solchen Produktes abzuschätzen, um allfällige Maßnahme treffen zu können, dieses zu reduzieren und die Sicherheit eines Produktes zu gewährleisten.

Das niederländische Institut für Öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM) hat die Grundlagen für ein Computerprogramm entwickelt, das eine solche rasche Risikoabschätzung ermöglichen soll. Das sogenannte "NanoCosmetics Tool" basiert auf vier Elementen:

1. Physikochemische Eigenschaften des Nanomaterials

Zu den physikochemischen Eigenschaften gehören etwa die chemische Identität, die Zusammensetzung, die Größe, die Form, die Dichte oder das Ausmaß der Oberfläche. Diese Eigenschaften sind sowohl ausschlaggebend für ein Gefährdungspotenzial als auch für die Exposition.

2. Expositionsabschätzung

Konsumentinnen und Konsumenten können über mehrere Wege mit einem Nanomaterial aus einem Kosmetikprodukt in Kontakt kommen - über die Haus (dermal), über den Mund (oral) oder über die Lunge (inhalativ). Für eine Expositionsabschätzung sind u.a. die Art der Anwendung des Produktes (z.B. als Creme oder als Spray), die Konzentration des Nanomaterials oder die Dauer der Exposition wichtige Faktoren.

3. Gefahrenidentifikation

Kosmetische Mittel müssen sicher sein und dürfen keine gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffe enthalten. Das "NanoCosmetics Tool" bedient sich bei der Gefahrenabschätzung einer ganzen Reihe Informationen und toxikologischer Daten aus der wissenschaftlichen Literatur.

4. Risikoabschätzung

Die Informationen aus der physikochemischen Charakterisierung, der Expositionsabschätzung und der Gefahrenidentifikation fließen in eine abschließende Risikoabschätzung ein. Der Output der Risikoabschätzung ist die Kalkulation einer Sicherheitsspanne ("Margin of Safety", MoS) für jedes Expositionsszenario. Die MoS ist die Beziehung zwischen der Dosis einer Exposition und jener Dosis, die in Untersuchungen keinen negativen gesundheitlichen Effekt ausgelöst hat (= das sogenannte "No Observed Adverse Effect Level", NOAEL). Generell bedeutet eine MoS von mehr als > 100 ein vernachlässigbares Risiko. Liegt die MoS aber unter < 100, dann besteht ein Risiko für negative Effekte.

Zum Abschluss liefert das "NanoCosmetics Tool" einen zusammenfassenden Bericht, in welchem die Ergebnisse der Risikoabschätzung beschrieben werden.

Das RIVM erachtet die Erstellung eines Computerprogramms zur Risikoabschätzung von kosmetischen Mitteln mit synthetischen Nanomaterialien durchaus für machbar. Allerdings ist das Ergebnis nur so gut wie die Daten, die zur Verfügung stehen. Bestehende Datenlücken stellen sicherlich eine Herausforderung dar.

"NanoCosmetics Tool"

Description of a NanoCosmetics Tool for Risk Assessment - National Institute for Public Health and the Environment (RIVM Briefrapport 2015-0157, 25.1.2016) (Englisch)

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