Kosmetika

Kosmetika

Auch in die Kosmetikindustrie hat die Nanotechnologie Einzug gehalten, da diese Branche immer auf der Suche nach besseren und wirksameren Formulierungen ist.

Welche Vorteile haben Nanomaterialien in Kosmetika?

Nanomaterialien in kosmetischen Mitteln werden vor allem aufgrund von folgenden Vorteilen verwendet:

  • Wirkstoffe können besser in tiefere Hautschichten transportiert werden;
  • UV-Filter in Form von Nanopartikeln schützen wirksam vor UV-Strahlen.

Wie können Wirkstoffe besser transportiert werden?

Die Haut ist eine gute Barriere gegenüber Fremdstoffen. Hautpflegeprodukte erreichen deshalb tiefere Hautschichten nicht leicht. In diesen werden jedoch die neuen Zellen gebildet und Wirkstoffe können hilfreich sein. Wie bei Lebensmitteln können Liposome als Verkapselungssystem verwendet werden, um Wirkstoffe in diese tiefere Hautschichten zu transportieren. Weiters werden empfindliche Substanzen auch besser geschützt.
Liposome sind kleine Hohlkugeln aus Lecithin, das aus Eiern oder Soja gewonnen wird und selbst hautpflegende Eigenschaften hat. Sind die Liposome nur wenige Nanometer groß, spricht man auch von "Nanosomen". Sie können in ihrem Inneren wasserlösliche Wirkstoffe (wie z.B. Vitamin C) einkapseln und tiefer in die Haut transportieren.
Eine andere Möglichkeit zum Transport von Wirkstoffen sind Nanoemulsionen. Unter einer Emulsion versteht man, wenn Öltropfen in Wasser (wie bei Milch) oder Wassertropfen in Öl (Margarine) verteilt werden. Wenn sehr feine Öltröpfchen in Wasser verteilt werden, wird von einer Nanoemulsion gesprochen. Mit Hilfe dieser feinen Öltröpfchen können fettlösliche Wirkstoffe (wie z.B. Vitamin E, Co-Enzym Q10) in die Haut transportiert werden. Nanoemulsionen sind zudem durchsichtig, was sie etwa interessant für die Herstellung von Deodorants macht, die keine weißen Spuren auf der Kleidung hinterlassen.

Liposome und Nanoemulsionen bestehen aus Stoffen, die löslich und biologisch abbaubar sind. Nach derzeitigem Wissen geben sie keinen Anlass für gesundheitliche Bedenken.

Wie schützen Nanomaterialien vor UV-Licht?

Die Substanz Titandioxid (TiO2) wird bei Sonnenschutzmitteln eingesetzt, da sie die Haut vor UV-Strahlen schützt. In herkömmlicher Größe ist TiO2 weiß, weshalb es auch als Farbstoff verwendet wird. Sonnencreme mit herkömmlichem TiO2 ist vergleichsweise dick und klebrig und hinterlässt einen weißlichen Film auf der Haut. In Nanogröße ist TiO2 jedoch durchsichtig, hinterlässt deshalb keine weißen Spuren auf der Haut und vermittelt ein besseres Hautgefühl. Die Nanoteilchen der Creme bleiben dort liegen, wo sie aufgetragen werden. Dort reflektieren und absorbieren sie das einfallende UV-Licht wie kleine Spiegel und schützen so die Haut.
Oft sind in einer Sonnencreme mehrere unterschiedliche UV-Filter enthalten, um einen optimalen Sonnenschutz zu erreichen. Nano-TiO2 wird als UV-Filter nicht nur in Sonnenschutzmitteln, sondern auch in Hautcremes eingesetzt.

Hydroxylapatit

Hydroxylapatit ist ein natürlich vorkommendes Mineral, das die Grundlage der Hartsubstanz, wie z.B. Knochen, Zahnbein oder Zahnschmelz, von Wirbeltieren bildet. Hydroxylapatit in der Nanoform wird in Zahncremes oder Mundspüllösungen eingesetzt, die speziell für sensible Zähne hergestellt werden. Das Mineral erzeugt eine dünne Schicht, die ähnlich dem natürlichen Zahnschmelz ist, und soll so laut Hersteller die Schmerzempfindlichkeit der Zähne reduzieren. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es derzeit jedoch noch nicht.

Nanopartikuläres Hydroxylapatit ist ein "Nanomaterial" gemäß der Definition in der entsprechenden Kosmetik-Verordnung. Kosmetische Produkte, die dieses Material enthalten, müssen sechs Monate bevor sie auf den Markt kommen der Europäischen Kommission gemeldet werden (Notifikation). Außerdem ist eine Kennzeichnung des Nanomaterials auf dem Produkt mit dem Zusatz "[nano]" verpflichtend vorgeschrieben (siehe "Rechtliches").

Aufgrund von Bedenken der Europäischen Kommission hinsichtlich eines möglichen Gesundheitsrisikos durch Nano-Hydroxylapatit in kosmetischen Mitteln wurde der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbraucherschutz (SCCS) aufgefordert, eine Sicherheitsbewertung dieses Materials vorzunehmen. Der SCCS analysierte die von den Antragstellern für eine Notifikation eingereichten Unterlagen sowie die vorhandene wissenschaftliche Literatur zur Toxikologie von Nano-Hydroxylapatit und kommt in seiner Stellungnahme zu dem Schluss, dass die vorliegenden Daten nicht ausreichend sind, um eine Sicherheitsbewertung vornehmen zu können. Die vorhandenen Studien weisen leider fast alle gravierende Mängel auf - so wurde etwa das Testmaterial nicht ausreichend charakterisiert und entsprechende Vorgaben und Richtlinien für die Durchführung von toxikologischen Untersuchungen mit Nanomaterialien, wie vom SCCS bereits erarbeitet, wurden nicht eingehalten. Allerdings zeit das vorhandene Datenmaterial ein gewisses toxikologisches Potential von nadelförmigem Nano-Hydroxylapatit. Der SCCS empfiehlt deshalb, das Mineral in dieser Form nicht in kosmetischen Produkten zu verwenden.

Andere (mögliche) Anwendungen

Weitere Nanomaterialien, die laut Herstellern in Kosmetika Verwendung finden, sind etwa Nanosilber in Hautcremes, Pigmente in Make-Ups und Wimperntuschen, Nanomineralien in Cremes, Lotionen und Shampoos oder nanokeramische Bestandteile in Nagellacken.

Woran erkenne ich, ob Nanomaterialien in einem kosmetischen Mittel enthalten sind?

Ab dem 11.Juli 2013 müssen Kosmetika, die unlösliche Nanomaterialien enthalten, gekennzeichnet werden. In der Liste der Inhaltsstoffe muss hinter dem Stoffnamen das Wort "nano" in Klammern folgen (z.B. Titanium dioxide [nano]).
Liposome und Nanoemulsionen müssen nicht gekennzeichnet werden, da es sich um lösliche Nanomaterialien handelt.
Bevor Inhaltsstoffe in Nanoform verwendet werden dürfen, wird die Sicherheit bewertet. Nähere Informationen dazu unter "Rechtlichem".

Können Nanomaterialien in Kosmetika die Gesundheit schädigen?

Lösliche und biologisch abbaubare Substanzen wie Liposome und Nanoemulsionen geben nach derzeitigem Wissensstand keinen Anlass für gesundheitliche Bedenken. In mehreren Studien wurde untersucht, ob Titandioxid in Nanoform über die Haut aufgenommen werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass nach derzeitigem Wissensstand diese Nanomaterialien über gesunde Haut nicht aufgenommen werden und somit nicht in den Blutkreislauf und in die Zellen des Körpers gelangen. Unklarheit besteht noch, ob Nanopartikel durch kranke oder geschädigte Haut eindringen können.
Die UV-Strahlung der Sonne ist ungesund für die Haut. Aus diesem Grund soll auf keinen Fall auf Sonnenschutz verzichtet werden.

Nanotechnologie in Kosmetika

Eine kurze Übersicht zu Nano in Kosmetika bietet das NanoTrust Dossier Nr. 8, (Jänner 2009)

> mehr

SCCS - Scientific Committee on Consumer Safety

Opinion on Hydroxylapatite (nano). Oktober 2015

> mehr