Mikro- und Nanoplastik in Fisch und Meeresfrüchten

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Plastik Infographik - Foto: Deutsche Meeresstiftung

In den Weltmeeren schwimmen Millionen von Tonnen an Plastikmüll - Plastikflaschen und anderes Verpackungsmaterial, Netze und Taue aus der Fischerei und zahlreiche weitere Kunststoffabfälle vom Einwegrasierer bis zur Badesandale. Durch Verwitterungsprozesse wird das Plastik langsam in immer kleinere Teilchen zerlegt, dem sogenannten sekundären Mikroplastik. Durchschnittlich 13.000 Plastikmüllpartikel treiben mittlerweile auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Doch auch primäres Mikroplastik, das ursprünglich schon in der geringen Größe hergestellt wird, etwa Granulate aus der Kunststoffindustrie oder Peeling-Zusätze aus Kosmetika, gelangt in großen Mengen in die Ozeane. Verwittert und zerfällt Mikroplastik weiter, entstehen Nanoplastik-Partikel. Die kleinen Teilchen werden u.a. von Fischen oder Muscheln aufgenommen und stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Ökosysteme im Meer dar. Schlussendlich gelangt der Plastikmüll über die Nahrungskette auch auf unserem Teller.

Auf Anfrage des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wissenschaftliche Daten zu Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln, mit Hauptaugenmerk auf Fische und Meeresfrüchte, erhoben. Zu Mikroplastik in Fisch, Shrimps und Muscheln sowie auch in Honig, Bier und Speisesalz sind Daten verfügbar, jedoch sind die Studien oft schwer vergleichbar. Das meiste Mikroplastik findet sich bei Fisch und Meeresfrüchten im Verdauungstrakt. Da größere Fische vor dem Verzehr ausgenommen werden, besteht für den Menschen kaum Gefahr die Plastikteilchen mitzuessen. Anders ist das jedoch etwa bei Muscheln - hier zeigen Untersuchungen, dass mit einer durchschnittlichen Portion etwa 900 Mikroplastik-Teilchen aufgenommen werden.

Mikroplastik enthält im Durchschnitt 4% chemische Zusätze, z.B. Weichmacher wie Bisphenol A, und kann zudem organische und anorganische Schadstoffe adsorbieren. Die Mengen, die beim Verzehr von mit Mikroplastik belasteten Lebensmitteln aufgenommen werden, sind aber laut EFSA vernachlässigbar gering.

Was jedoch mit den Plastik-Partikeln in unserem Körper passiert, ist unklar. Die meisten werden vermutlich ausgeschieden und nur die kleinsten Teilchen (< 150 µm) können durch die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Bislang fehlen jedoch noch Untersuchungen zur Toxikologie, sodass derzeit keine Aussagen zum gesundheitlichen Risiko einer Aufnahme von Mikroplastik getroffen werden können.

Die EFSA empfiehlt eine Weiterentwicklung und Standardisierung der analytischen Methoden, damit Mikroplastik in Lebensmitteln besser identifiziert und quantifiziert werden können. Bedarf besteht außerdem an Studien zu Toxikokinetik und Toxikologie, ebenso zum Abbau von Mikroplastik und der möglichen Bildung von Nanoplastik-Teilchen im menschlichen Verdauungstrakt.

Unter Nanoplastik werden Teilchen in einer Größe zwischen 1 und 100 nm verstanden. Sie entstehen, wenn Mikroplastik-Partikeln noch weiter zerfallen oder werden künstlich für industrielle Prozesse hergestellt. Derzeit gibt es noch keine analytischen Verfahren zur Identifizieren und Quantifizierung von Nanoplastik in Lebensmitteln. Demnach stehen keine Daten zum Auftreten von Nanoplastik in Lebensmitteln zur Verfügung. Die Entwicklung und Standardisierung solcher Verfahren wird von der EFSA empfohlen.

"Müll im Meer"

Online-Information des deutschen Umweltbundesamts, Dessau-Roßlau

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EFSA Stellungnahme

EFSA (2016): Presence of microplastics and nanoplastics in Food, with particular Focus on seafood. EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM). EFSA Journal 2016;14(6):4501

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