Ist dort, wo "nano" steht, auch wirklich "nano" drin?

Derzeit ist es gut möglich, dass Verbraucherprodukte wie zum Beispiel Lebensmittel, Kosmetika, Textilien oder Küchenutensilien mit "nano" beworben werden, ohne dass ausreichend geklärt ist, ob es sich tatsächlich um Nanomaterialien im Sinne der Definition enthalten. Viele Unternehmer preisen ihre Waren oft als "Nano"- Produkte an, um ihnen besondere Eigenschaften zu verleihen, die sie nicht unbedingt besitzen.

In welchen Bereichen wird "nano" bereits eingesetzt?

Nanomaterialien und Nanotechnologien werden in einer großen Vielzahl von Bereichen und Produkten eingesetzt.

Auf dem österreichische Markt finden sich u.a. folgende Produkte:

  • Auto: Reinigungs- und Pflegemittel, Lacke, Motoröladditive
  • Baumaterial: Mörtel, Fliesenkleber, Beton-Additive, Dämmmaterialien
  • Beschichtungen: f. verschiedene Materialien, Anti-Haft, Anti-Beschlag, Anti-Fingerprint
  • Farben und Lacke
  • Geräte: für den Haushalt (Waschmaschinen, Backöfen, Luftbefeuchter, Haarschneidemaschinen)
  • Heimtextilien/Bettwaren: mit antibakterieller Ausstattung (Nano-Silber)
  • Imprägnierungen: für verschiedene Materialien (Schuhe, Textilien, etc.)
  • Kosmetik/Körperpflege
  • Lebensmittel iWS: Zusatzstoffe, Dosen, Küchenartikel, Nahrungsergänzungsmittel
  • Medizin
  • Pflanzen und Boden: Stärkungs- und Bodenverbesserungsmittel
  • Reinigungsmittel Sanitärprodukte: Waschbecken, WC, Dusch- und Badewannen
  • Sportartikel/Outdoor: Tennis- u. Squashrackets, Zelte, Schlafsäcke, etc.
  • Textilien/Bekleidung
  • Tierzubehör

Gibt es eine Datenbank, in der alle "Nano-Produkte" aufgelistet sind?

Eine gesetzliche Verpflichtung, dass Nano-Produkte registriert und in einer Produktdatenbank veröffentlicht werden müssen, gibt es derzeit nicht.

Es gibt zwar Datenbanken von verschiedenen Organisationen, in denen "Nano-Produkte" gesammelt werden, diese wurden aber nach Angaben der Hersteller erstellt. Ob diese Produkte tatsächlich Nanomaterialien enthalten, wurde nicht überprüft. Teilweise finden sich auch Produkte in den Datenbanken, die nicht mehr am Markt verfügbar sind.

Informationen zum österreichischen Markt, die auch auf Informationen von Herstellern beruhen, können im Dossier "Nano-Konsumprodukte in Österreich" nachgelesen werden, das vom Projekt "NanoTrust" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde (http://epub.oeaw.ac.at/ita/nanotrust-dossiers/dossier009.pdf).

Warum kann nicht zuverlässig gesagt werden, welche Produkte Nanomaterialien enthalten?

Derzeit gibt es keine verlässlichen Nachweismethoden, um Nanomaterialien, die in Verbraucherprodukten vorhanden sind, nachzuweisen. Es ist daher schwierig, verlässliche Daten und Informationen über deren Einsatz zu erhalten.

Internationale Forschungsprojekte beschäftigen sich jedoch intensiv mit der Entwicklung von Nachweismethoden um zukünftig Untersuchungen durchzuführen zu können. Ein Beispiel wäre hier das Projekt NanoLyse (Nanoparticles in food: Analytical methods for detection and characterisation; www.nanolyse.eu), in dem auch österreichische Wissenschaftler mitarbeiten.

Warum werden Nanopartikel in Sonnencreme eingesetzt?

Nanopartikel aus Titandioxid (TiO2) werden in Sonnen- und Hautcremen als effektiver Lichtschutzfilter gegen schädliche UV-Strahlung eingesetzt. Wird Titandioxid in herkömmlicher Größe verwendet, sind die Emulsionen vergleichsweise dick und klebrig und hinterlassen einen weißlichen Film auf der Haut. In Nanogröße ist Titandioxid durchsichtig. Sonnencremen lassen sich damit gleichmäßiger auftragen und vermitteln so ein besseres Hautgefühl.

Woran erkenne ich, ob Kosmetika Nanomaterialien enthalten?

Ab 2013 müssen Kosmetika eindeutig gekennzeichnet werden. Enthalten Kosmetika unlösliche Nanomaterialien, müssen sie ab Juli 2013 per Gesetz eindeutig gekennzeichnet werden. In der Inhaltsstoffliste muss hinter dem Stoffnamen das Wort "nano" in Klammern angeführt werden (z.B. "Titanium dioxide [nano]"). Lösliche Nanomaterialien wie Liposome (Nanokapseln) und Nanoemulsionen sind nicht zu kennzeichnen.

Welche Wirkung hat Nanosilber?

Nanosilber wird - wie auch Silber - bei der Bekämpfung von Bakterien, Pilzen und Algen eingesetzt. Silberionen lösen Veränderungen an der Zellmembran aus, wodurch wichtige zelluläre Vorgänge gestört werden und es zu Schädigungen im Zellinneren kommt. Sind Silbernanopartikel erst in die Zelle gelangt, geben sie ständig toxische Silberionen an die Umgebung ab.

Silbernanopartikel sind in ihrer Wirkung effektiver als große Silberpartikel, da die größere Oberfläche der Nanopartikel mehr Ionen abgeben kann als größere Teilchen mit einer verhältnismäßig kleineren Oberfläche.

In der Medizin finden Silbernanopartikel gegen Bakterienstämme (u. a. antibiotikaresistente) Anwendung. Nanosilber wird bei der Wundversorgung und bei z. B. orthopädische Implantaten, oder Herzklappen erfolgreich eingesetzt. Allerdings gibt es Kontroversen darüber, ob Nanosilber die Heilungsdauer von Wunden verzögern kann.

Weitere Informationen zu den Wirkungen von Nanosilber sind im NanoTrust-Dossier Nr. 010 zu finden, das vom Projekt "NanoTrust" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde.

Welche möglichen Risiken birgt der Einsatz von Nanosilber?

Die Anwendung von nanopartikulärem Silber im medizinischen Bereich bringt große Vorteile durch seine breite Wirksamkeit gegen eine Vielzahl von Krankheitserregern. Sogar gegen solche, die gegen moderne Antibiotika bereits resistent sind.

Der derzeitige Trend zu Nanoprodukten im Alltag führt aber zu einer Ausweitung der Einsatzmöglichkeiten mit unbestimmtem Nutzen und möglichen Gefährdungen für Gesundheit und Umwelt. Die Entstehung von silberresistenten Bakterienstämmen als Folge einer breitflächigen Anwendung von Nanosilber mit niedrigen Konzentrationen ist möglich, wodurch auch die Vorteile der medizinischen Anwendungen verloren gehen könnten.

Zur Umwelttoxizität und zum Umweltverhalten von Silbernanopartikeln ist noch wenig bekannt. Analogieschlüsse zu klassischen Silberverbindungen sind nur bedingt aussagekräftig, da Nanopartikel andere Eigenschaften aufweisen. Erste Untersuchungen liefern Hinweise, dass Silbernanopartikel ein höheres toxisches Potenzial aufweisen als Silberverbindungen und Silberionen. Zurückzuführen ist dies u. a. auf die Depotwirkung der in eine Zelle gelangten Nanopartikeln, aus denen kontinuierlich Silberionen abgegeben werden. Die für Gesundheits- und Umweltthemen zuständigen Behörden stehen wegen der Vielfältigkeit der Nanosilberprodukte und der unterschiedlichen Verbreitungswege vor schwierigen Herausforderungen. Denn das Wissen um die negativen Wirkungen und um Ausbreitungswege von Nanosilber ist noch unvollständig.

Weitere Informationen dazu sind im NanoTrust-Dossier Nr. 010 zu finden, das vom Projekt "NanoTrust" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde.

Haben Silbernanopartikel negativ Auswirkungen auf Böden?

Die in den Böden lebenden Mikroorganismen sind wesentlich für den Abbau organischer Materialien und Nitrate sowie für die ausgeglichene Regelung des Stickstoffhaushaltes. Silber wirkt toxisch auch auf Bodenmikroben. Wie kürzlich in eine Studie mit isolierten, also nicht in Boden vorkommenden Bakterien berichtet wurde, sind kleinste Partikel (9 nm) schädlicher als Partikel mit Durchmessern um 60 nm [Neal A.L., 2008].

Wenn silberhaltiger Klärschlamm auf Böden aufgebracht wird, so wird der organische Anteil abgebaut und das gebundene Silber wird wieder freigesetzt. Daher ist eine Anreicherung im Boden und eine verzögert einsetzende toxische Wirkung nicht auszuschließen.

Literatur:

Hund-Rinke K., Marscheider-Weidemann F., Kemper M. (2008): Beurteilung der Gesamtumweltexposition von Silberionen aus Biozid-Produkten. Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), Forschungsbericht 43/08 im Auftrag des Umweltbundesamtes

Neal A.L. (2008): What can be inferred from bacterium-nanoparticle interactions about the potential consequences of environmental exposure to nanoparticles? Ecotoxicology 17:362-371.

Wird Nanosilber in der EU reguliert?

Nanomaterialien werden in der EU unter anderem nach den Bestimmungen von REACH (der EU-Chemikalienverordnung) behandelt. Hersteller, Anwender und Importeure müssen hierbei sicherstellen, dass ihre Nanoprodukte keine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellen. Über die Auswirkungen und Toxizität von Nanosilber ist allerdings noch wenig bekannt. Die Regulierung selbst weist noch Lücken auf. Die Einschränkung des Vertriebs von Nanoprodukten passierte bislang auf freiwilliger Basis. Nanosilberhaltige Produkte sind derzeit lediglich in Einzelfällen überprüft bzw. beschränkt.

Weitere Informationen zur gesetzlichen Regelung von Nanosilber sind im NanoTrust-Dossier Nr. 010 zu finden, das vom Projekt "NanoTrust" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde.