Welche Schutzmaßnahmen sollen im Betrieb getroffen werden?

Den wohl wichtigsten Ratschlag hat vor zwei Jahren bereits die EU-OSHA, die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz in Bilbao gegeben: "Auf der Grundlage der uns vorliegenden Daten wird die Anwendung des Vorsorgeprinzips dort empfohlen, wo ein Kontakt mit Nanomaterialien möglich ist."

Vorsorgeprinzip

Dieses "Vorsorgeprinzip" zu beachten, das bedeutet zuerst, aufmerksam zu sein für die möglichen Gefahren für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten und der Verbraucher. Auch wenn derzeit noch viele Details der Risiken durch Nanopartikel nicht bekannt sind, müssen präventive Maßnahmen zur Risikovermeidung vorgenommen werden - dies ist der Kern des Vorsorgeprinzips.
Es wird also nach dem Vorsorgeprinzip angenommen, dass die Nanomaterialien potenziell gesundheitsgefährlich sind. Erst wenn genaue Erkenntnisse vorliegen, die die Aufrechterhaltung dieser Annahme nicht mehr rechtfertigen, darf das hohe Schutzniveau verlassen werden. Diese Grundsätze müssen bei der Evaluierung von Arbeitsplätzen mit Nanomaterialien berücksichtigt werden.

STOP Schutzmaßnahmen

Für einen verantwortungsbewussten Umgang mit gefährlichen Stoffen an Arbeitsplätzen sind, abgestufte Maßnahmen ("STOP") vorgesehen.

  1. Substitution
  2. Technische Maßnahmen
  3. Organisatorische (kollektive) Maßnahmen
  4. Persönliche (individuelle) Schutzmaßnahmen

Dies entspricht auch der Rangordnung der Maßnahmen zur Gefahrenverhütung nach dem österreichischen ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (§ 43).

Rangordnung der Schutzmaßnahmen

An erster Stelle steht die Substitution, das ist der Ersatz von gesundheitsgefährdenden Stoffen durch harmlosere; Pulverförmige Nanomaterialien sollen möglichst in gebundener Form (in Pasten, Flüssigkeiten oder Feststoffen) verarbeitet werden; an Stelle von Sprühanwendungen sollen Verfahren wie Streichen oder  Tauchen zum Einsatz kommen.

Ist die Substitution nicht möglich, sind technische Schutzmaßnahmen zu treffen. Das Entstehen von Stäuben und Aerosolen soll z.B. durch Arbeiten in geschlossenen Apparaturen oder durch wirksame Absaugvorrichtungen vermieden oder minimiert werden; die Abluft soll durch geeignete Filter gereinigt werden, und die Absaugvorrichtungen sind regelmäßig zu warten; die Reinigung darf ausschließlich durch das Aufsaugen mit geeigneten und mit Filtern ausgestatteten Geräten oder durch feuchtes Aufwischen erfolgen.

Nach den technischen Schutzmaßnahmen sind organisatorische Schutzmaßnahmen festzulegen. Dies kann z.B. dadurch erfolgen, dass die Expositionszeit und die Anzahl der exponierten Personen beschränkt werden und nicht befugte Personen keinen Zugang zu Bereichen haben, in denen Nanomaterialien verarbeitet werden. Information und Unterweisung für die Arbeitskräfte über Gefahren und Schutzmaßnahmen, auch bei Kontamination, sind regelmäßig erforderlich. Die Sicherstellung von Hygienestandards (z.B. geeignete Waschgelegenheiten für die exponierten Arbeitskräfte, getrennte Aufbewahrung der beruflich eingesetzten Kleidung und der Straßenkleidung) ist notwendig.

Erst wenn alle oben angeführten Schutzmaßnahmen keinen ausreichenden Schutz vor Nanopartikeln bieten, können personenbezogene Schutzmaßnahmen getroffen werden. Beispiele dafür sind:

  • Atemschutz (mit ausreichenden Partikelfiltern),
  • geeignete Schutzhandschuhe,
  • geschlossene Schutzbrillen,
  • Schutzkleidung.

EU-OSHA

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